
Immer mehr Menschen erhalten eine ADHS- oder Autismus-Diagnose – und suchen danach jemanden, der sie im Alltag begleitet. Daraus ist ein eigenes Berufsfeld entstanden. Was diese Fachpersonen konkret tun, wer sie beauftragt und welche Ausbildung es braucht.
ADHS- und Autismus-Coaches begleiten neurodivergente Menschen und ihr Umfeld im Alltag: nach der Diagnose, vor der Abklärung oder ganz unabhängig davon. Sie helfen dabei, den eigenen Kopf zu verstehen, Strukturen zu bauen, die halten, und Konflikte in Familie, Schule oder Job zu entschärfen. Die Arbeit ist lösungs- und ressourcenorientiert: Sie setzt bei dem an, was funktioniert – nicht bei dem, was fehlt.
Coaches diagnostizieren nicht und behandeln keine Störungsbilder – das gehört zu Ärztinnen, Psychotherapeuten und spezialisierten Fachstellen. Coaching setzt davor, daneben oder danach an: bei der Lebensgestaltung. Zu einer seriösen Ausbildung gehört deshalb auch das Wissen, wann ein Fall weiterverwiesen werden muss.
Typische Mandate sind Einzelbegleitungen von Jugendlichen und Erwachsenen (Studium, Berufseinstieg, Arbeitsorganisation, Selbstwert), Elternberatung rund um Schule und Familienalltag sowie die Zusammenarbeit mit Lehrpersonen und Arbeitgebenden, wenn das Umfeld Teil der Lösung sein soll. Dazu kommen je nach Profil Gruppenangebote und Workshops, etwa für Schulen oder Teams.
Gearbeitet wird in eigener Praxis, online oder eingebettet in eine bestehende Tätigkeit: Viele üben den Beruf als Erweiterung ihrer bisherigen Arbeit aus – als Schulische Heilpädagogin mit ADHS-Schwerpunkt, als Sozialarbeiter mit eigenem Beratungsangebot, als Coach mit Spezialisierung. Andere bauen daraus eine eigenständige Selbstständigkeit auf.
In der Schweiz leben Schätzungen zufolge mehr als 500'000 Menschen mit ADHS oder einer Autismus-Spektrum-Störung – mehr, als in der Stadt Zürich wohnen. Spezialisierte Anlaufstellen haben lange Wartezeiten, und die Zahl der Erwachsenen, die erstmals eine Diagnose erhalten, steigt seit Jahren. Wer nach der Abklärung Unterstützung für den Alltag sucht, findet kaum jemanden mit passender Qualifikation.
Coaching ist keine Krankenkassenleistung. Bezahlt wird die Begleitung von Selbstzahlenden, von Institutionen (Schulen, Sozialdienste, Arbeitgebende) – und in bestimmten Konstellationen über die IV und weitere Kostenträger. Diese Finanzierungswege zu kennen, gehört zum Handwerk: Sie entscheiden mit darüber, ob eine längerfristige Begleitung für Klientinnen und Klienten tragbar ist. Das Einkommen hängt entsprechend von Auslastung, Setting und Region ab; die meisten starten nebenberuflich und bauen das Standbein schrittweise aus.
Der Beruf verlangt zwei Dinge zugleich: Beratungskompetenz und spezifisches Fachwissen. Zum Anforderungsprofil gehören unter anderem:
Eine staatlich geregelte Ausbildung gibt es nicht – umso wichtiger ist die Wahl des Instituts. Prüfkriterien sind die Lizenzierung (etwa durch die European Coaching Association), eine klar gelehrte Abgrenzung zu Diagnostik und Therapie, praxiserfahrene Dozierende und transparente Kosten. Die Praxis für Lösungs-Impulse AG (PLI) in Luterbach bildet seit bald 20 Jahren Fachpersonen in diesem Feld aus. Die beiden Fachrichtungen sind einzeln buchbar – CAS ADHS Coaching und Beratung PLI® mit 15 Bildungstagen, Autismus-Coach PLI® mit 7 Bildungstagen – oder kombiniert:
Die meisten, die in dieses Feld wechseln, arbeiten bereits mit Menschen: Lehrpersonen und Schulische Heilpädagoginnen, Fachpersonen aus Sozialer Arbeit und Pflege, Therapeutinnen, HR-Fachleute und Coaches, die sich spezialisieren wollen. Auch persönliche Berührungspunkte – ein eigenes Kind mit Diagnose, eigene Betroffenheit – sind ein häufiger und tragfähiger Ausgangspunkt, wenn das fachliche Fundament dazukommt.
Ob der Einstieg über eine Einzelfachrichtung oder den Kombilehrgang sinnvoller ist, hängt vom Hintergrund und vom geplanten Einsatzfeld ab – das lässt sich am besten im direkten Gespräch klären.
Marianne Flury ist Gründerin und Schulleiterin der Praxis für Lösungs-Impulse AG (PLI) in Luterbach SO. Das von der European Coaching Association lizenzierte Institut bietet Lehrgänge zu ADHS, Autismus, Hochsensibilität und Hochbegabung an und arbeitet lösungs- und ressourcenorientiert.